Serge Haroche im Jahr des Lichts

Das internationale Jahr des Lichts nahm Serge Haroche als Anlass für seine Lecture und feierte auf seine Weise mit der Zuhörerschaft „Fifty Years of Laser Revolution in Physics“. Während sein Vorredner Arieh Warshel das Thema noch launig mit einer Folie, auf der eine Briefmarke zum Jahr des Lichts zu sehen war, feierte, widmet sich Serge Haroche dem Licht auf gründliche, physikalische Weise. Denn was lange Zeit als unmöglich galt, gelang Haroche mit Hilfe eines von ihm konzipierten Geräts: Die genaue Untersuchung einzelner Photonen oder Lichtteilchen. Die Apparatur besteht aus zwei stark reflektierenden Spiegeln, die auf eine Temperatur nahe dem Nullpunkt abgekühlt werden – zwischen den Spiegeln werden eingefangene Photonen einige Zeit hin-und-hergeworfen und dadurch ihre Lebensdauer so weit verlängert, dass Untersuchungen an ihnen möglich werden.

Serge Haroche, Foto: LNLM

Serge Haroche, Foto: LNLM

Doch auf seine eigene Forschung kam Haroche erst gegen Ende seiner Lecture und mehr en passant zu sprechen. Sein Vortrag war mehr ein historischer Rückblick, der auf zweierlei Weise interessant gestaltet war: Zum einen wollte Haroche verdeutlichen, in welch relativ kurzer Zeit die Entwicklung so merkliche Erfolge zeigte, zum anderen war sein Vortrag aber auch eine Verbeugung vor seinen Forscherkollegen und einigen anderen an der Lindauer Tagung teilnehmenden Nobelpreisträgern. Haroche bemerkte, dass er doch ein bisschen nervös sei, hier Steven Chu’s Forschung in seiner Anwesenheit vorzustellen – für die Zuhörerschaft war es ein echter Mehrwert, so einen schönen Überblick geboten zu bekommen.

Young Scientists im Fachgespräch mit Serge Haroche, Foto: LNLM

Young Scientists im Fachgespräch mit Serge Haroche, Foto: LNLM

Haroche spannte den Bogen aus der Vergangenheit von seiner Zeit im Kastler-Brossel-Lab 1966, als die neue Lasertechnik aufregende Zeiten für die Physik versprach, bis in die Jetzt-Zeit. Von gerichteten Lasern in den 70er Jahren, über das Kühlen von Atomen in den 80er Jahren über ultraschnelle Laser in den 90er Jahren bis zur der Manipulation von echten und künstlichen Atomen ab circa 2000. Man merkte Haroche deutlich an, dass er gerne noch mehr erzählt hätte – an allen möglichen Stellen boten sich Vertiefungen an, die er leider nicht mehr ausführen konnte. Es ist nur eine Vermutung, aber man gewinnt den Eindruck, dass Haroche Wissen nicht nur gut weitergeben kann, sondern auch Freude daran hat. Auch wenn er für ein Lächeln zu nervös war, das war ein Vortrag mit Mission. Und vielleicht auch ein persönliches Experiment? Im Gespräch mit KollegInnen stellten wir öfter fest: Auch Nobelpreisträger können nervös sein, vor und bei einem Vortrag – und das ist eine der vielen sympathischen Seiten an dieser Zusammenkunft.

Stephanie Hanel

About Stephanie Hanel

Stephanie Hanel is a journalist and author. Her enthusiasm for the people behind science grew out of her work as an online editor for AcademiaNet, an international portal that publishes profiles of excellent female scientists. She is an interested observer of new communication channels and narrative forms as well as a dedicated social media user and science slam fan.

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