Nobelpreise: Was ist der gesellschaftliche Nutzen?

Tobias Maier beschäftigt sich mit der Frage, was die Nobelpreise der Gesellschaft bringen und wie man ihren Nutzen allgemein verständlich machen kann.

Eine Kostprobe dessen, wofür die Nobelpreise 2013 vergeben wurden:

Chemie:

Für die Entwicklung mehrskaliger Modelle für komplexe chemische Systeme.

Physiologie/ Medizin:

Für die Entdeckung von Mechanismen die den vesikulären Transport regulieren, ein Haupttransportsystem in der Zelle.

Physik:

für die theoretische Entdeckung eines Mechanismus, der zum Verständnis der Masse subatomarer Teilchen beiträgt.

Diese Sätze dienen wohlgemerkt nicht der Verschleierung der Entdeckungen der prämierten Wissenschaftler, sondern sollen verständlich erklären, wofür die Preise vergeben wurden. Selbst nach Lektüre längerer Begründungen der Preise, ist man nicht unbedingt schlauer. Vor allem eine Dimension scheint häufig zu fehlen: Wofür sind die Entdeckungen der Nobelpreisträger eigentlich gut?

Neben einem nicht immer ausreichend transparenten Auswahlprozess der Laureaten scheinen das Entscheidungsgremium und die Nobelversammlung bei der alljährlichen Wahl der Laureaten auch nicht immer konform mit dem letzen Willen Alfred Nobels zu gehen. Der Stifter der Preise schrieb in seinem Testament von 1895, dass

die Nobelpreise an jene Wissenschaftler vergeben werden sollen, deren Entdeckungen der Menschheit am meisten nutzen.

Beim Treffen der Nobelpreisträger in Lindau ist der Nutzen der Forschung ein Leitmotiv, dass sich durch fast alle Vorträge zieht. Es wird deutlich, dass selbst wenn bei der Vergabe der Preise den Wenigsten klar ist, was die prämierten Entdeckungen denn bringen, deren Einfluss häufig noch Jahre und Jahrzehnte später spürbar ist, und zwar in konkreten Anwendungen mit Nutzen für die Menschheit.

Alfred Nobel. Bild: Wikimedia commons

Alfred Nobel. Bild: Wikimedia commons

Martin Evans, Nobelpreisträger von 2007, wies auf auf die Frage nach dem Nutzen seiner Forschung zu embryonalen Stammzellen auf das enorme medizinische Potential hin:

Die Stammzellforschung hat unsere Augen für eine Vielzahl möglicher Therapien geöffnet, die auf der Verfügbarkeit spezifisch hergestellter Zelltypen und Geweben beruhen.

Erwin Neher ergänzt:

Unsere Forschung an Ionenkanälen erschien, als wir den Nobelpreis 1991 erhielten, nicht besonders krankheitsrelevant. Inzwischen weiß man aber, dass viele Erbkrankheiten auf Mutationen in diesen Membrankanälen beruhen und das eine Vielzahl von Medikamenten dort ansetzt.

Neher zählt auf: Medikamtente gegen Typ 2 Diabetes, gegen Bluthochdruck und Herzarrhythmien, gegen zystische Fibrose und sogar ein Medikament, dass die Symptome der Alzheimerschen Krankheit lindert.

Es geht bei der kritischen Frage nach dem Nutzen der Wissenschaft für die Menschheit natürlich nicht nur um die Nobelpreisträger und die hoffentlich weitreichenden positiven Folgen ihrer Forschung. Die Beispiele der Nobelpreisträger, die hier in Lindau ein Forum haben, um mit zeitlichem Abstand den Nutzen Ihrer Forschung zu zeigen, sind Argumente für die Grundlagenforschung im Allgemeinen, in der Debatte um Akzeptanz und Ressourcen.

Die Inhalte der Vorträge der Laureaten in Lindau, das Video, das von Martin Chalfie, Nobelpreisträger von 2009, vorgestellt wurde und hier eingebunden ist, und vielleicht auch die Berichterstattung hier im Blog, zeigt: Der vorhandene Nutzen der Grundlagenforschung wird erst durch gute Kommunikation greifbar.

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