BLOG

Veröffentlicht 4. Dezember 2025 von Phil Thornton

Sveriges Riksbank-Preis für Wirtschaftswissenschaften 2025: Erklärung des innovationsgetriebenen Wachstums

In den letzten zwei Jahrhunderten ist Wirtschaftswachstum zu etwas Alltäglichem geworden – Foto/Credit: sankai/iStockphoto

Der Sveriges Riksbank-Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde an drei Wissenschaftler verliehen, die aufgezeigt haben, wie Innovationen das Wirtschaftswachstum vorantreiben, was wiederum zu mehr Wohlstand für die Menschen führt und veraltete Technologien der Vergangenheit angehören lässt.

Joel Mokyr, 79, gewann im Oktober 2025 die Hälfte des mit 11 Millionen schwedischen Kronen (ca. eine Millionen Euro) dotierten Preises für seine Darstellung der wesentlichen Voraussetzungen für kontinuierlichen technologischen Fortschritt. Die andere Hälfte ging gemeinsam an Philippe Aghion, 69, und Peter Howitt, 79, für ihre Darstellung der Rolle, die kreative Zerstörung für die Aufrechterhaltung von Wachstum spielt.

Der Preis ist von großer Bedeutung, da ein stetiges Wirtschaftswachstum von ein- bis zwei Prozent pro Jahr mittlerweile so selbstverständlich geworden ist, dass viele es als gegeben hinnehmen, insbesondere in den Industrienationen. Mit unterschiedlichen Methoden versuchten die Preisträger zu verstehen, warum die Welt in den letzten zwei Jahrhunderten ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erlebt hat, das zu einer Verdopplung des Einkommens während des Arbeitslebens einer Person geführt hat – zum ersten Mal in der Geschichte.

Wie kommt es zu Wirtschaftswachstum?

Als Wirtschaftshistoriker nutzte Professor Mokyr historische Forschungsmethoden, um einem entscheidenden Rätsel auf den Grund zu gehen: Was hat das Wirtschaftswachstum ursprünglich ausgelöst? Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte stagnierten die Volkswirtschaften trotz Erfindungen und technologischer Fortschritte.

Während Ökonom/innen gemeinhin davon ausgehen, dass Innovation und Technologie das Wirtschaftswachstum vorantreiben, war die eigentliche Frage, die Mokyr untersuchte, was sich verändert hatte, damit diese Innovationen tatsächlich zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum führten.

Er stellte fest, dass es zwar in Zeiträumen wie den 500 Jahren zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert zu Innovationen kam, das Einkommen jedoch trotz einmaliger Anstiege und Rückgänge insgesamt praktisch kein Wachstum verzeichnete. Laut Mokyr gelang es diesen Innovationen nicht, den kontinuierlichen Strom von Weiterentwicklungen und neuartigen Anwendungen anzustoßen, den man heute als natürliche Folge bedeutender Durchbrüche in Technologie und Wissenschaft erwarten würde.

Er zeigte, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Fortschritt eine kontinuierliche Versorgung mit „nützlichem“ Wissen erfordert. Laut Mokyr umfasst dieses Wissen zwei Komponenten: „propositionales“ Wissen, das aus Beobachtungen über Muster besteht, die die zugrunde liegenden Gründe dafür erklären, warum Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren, und „präskriptives“ Wissen, das praktische Anleitungen umfasst, die genau beschreiben, wie etwas funktioniert. Die industrielle Revolution unterstützte die wissenschaftlichen Fortschritte, die die Innovationen erfolgreich machten.

Doch dieses beständige, langfristige Wachstum, an das wir uns mittlerweile gewöhnt haben, ist angesichts der Turbulenzen unter der Oberfläche bemerkenswert. In den Vereinigten Staaten beispielsweise scheidet jedes Jahr ein Zehntel aller Unternehmen aus dem Markt aus, während im gleichen Verhältnis neue Unternehmen hinzukommen.

Transformation schafft Wachstum

symbol for big data
Der Kreislauf von Unternehmensgründungen und -schließungen sorgt für ein stetiges Wirtschaftswachstum – Foto/Credit: Floriana/iStockphoto

Angesichts dieser ständigen Umwälzungen stellt sich die Frage, wie ein derart turbulenter Zyklus aus Unternehmensgründungen und -schließungen zu einem stetigen Wirtschaftswachstum führen kann. Aghion und Howitt haben gemeinsam ein mathematisches Modell auf der Grundlage aktueller Daten entwickelt, um zu erklären, wie dieser disruptive Prozess – mit Unternehmen, die in den Markt eintreten und ihn wieder verlassen – tatsächlich Wirtschaftswachstum generiert.

Sie zeigten, wie dieser Transformationsprozess für die Schaffung nachhaltigen Wachstums entscheidend war. Ein Unternehmen mit einem innovativen Produkt oder einer überlegenen Produktionstechnik kann Wettbewerber überholen und die Marktführerschaft übernehmen. Diese Errungenschaft spornt jedoch andere Unternehmen dazu an, weitere Fortschritte zu erzielen und selbst die Spitzenposition einzunehmen – und so weiter.

Auf einer Pressekonferenz nach der Preisverleihung sagte Aghion, künstliche Intelligenz sei die neueste Innovation, die das Potenzial habe, solche kreative Zerstörung zu beschleunigen. Wie andere technologische Revolutionen würde künstliche Intelligenz Unternehmen viel produktiver machen und damit zu einer steigenden Nachfrage nach ihren Produkten führen, was wiederum die Beschäftigung ankurbeln würde, sagte er.

Andererseits würde dies jedoch die Befürchtung wecken, dass die Innovation zu Arbeitsplatzverlusten führen könnte, wie dies bei der Dampfmaschine, der Elektrizitätsrevolution und dem Aufkommen von Robotern der Fall war. „Wir brauchen gute Institutionen im Bildungswesen und in der Arbeitsmarktpolitik, um dieses Produktivitätspotenzial zu nutzen und sicherzustellen, dass wir die negativen Auswirkungen der neuen industriellen Revolution so gering wie möglich halten, wie wir es auch bei früheren Revolutionen getan haben“, sagte er. „Ich glaube, dass Wohlstand und Glück das Ergebnis einer Kombination aus Technologie, Institutionen und Politik sind.“

Bei der Bekanntgabe des Preises erklärte John Hassler, Vorsitzender des Komitees für den Preis für Wirtschaftswissenschaften, dass die Arbeit der Preisträger gezeigt habe, dass Wirtschaftswachstum nicht als selbstverständlich angesehen werden könne. „Wir müssen die Mechanismen, die der kreativen Zerstörung zugrunde liegen, aufrechterhalten, damit wir nicht wieder in Stagnation zurückfallen.“

Reaktionen aus der Wissenschafts-Community

Die Auszeichnung wurde von Fachleuten in den sozialen Medien sehr positiv aufgenommen. Monika Schnitzer, Wirtschaftsprofessorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, schrieb auf Bluesky, dass die Arbeit der drei Preisträger zeige, dass Innovation und technologischer Wandel für ein nachhaltiges langfristiges Wachstum unerlässlich seien – „Erkenntnisse, die wir heute mehr denn je ernst nehmen sollten“.

Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger von 2002, sagte auf derselben Plattform, dass ihre „großartige Arbeit (…) zu Recht gewürdigt“ worden sei. Auf X gratulierte Martin Guzman, ehemaliger Wirtschaftsminister Argentiniens und Doktorand von Professor Howitt, seinem ehemaligen Betreuer und bezeichnete ihn als „spektakulären“ Ökonomen.

Mit seiner typischen Bescheidenheit erzählte Professor Mokyr der Associated Press am Tag der Preisverleihung, dass er seinen Student/innen auf die Frage, ob er den Nobelpreis gewinnen würde, geantwortet habe, dass es „wahrscheinlicher sei, zum Papst gewählt zu werden, als den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zu gewinnen – und ich bin übrigens Jude“.

Joel Mokyr

Joel Mokyr ist Robert H. Strotz-Professor für Kunst und Wissenschaften an der Northwestern University in den USA. Er wurde 1946 in Leiden, Niederlande, geboren und promovierte 1974 in Wirtschaftswissenschaften an der Yale University. Außerdem ist er Sackler-Professor an der Eitan Berglas School of Economics der Universität Tel Aviv in Israel.

Philippe Aghion

Philippe Aghion ist Inhaber des Lehrstuhls für Institutionenökonomie, Innovation und Wachstum am Collège de France und Kurt-Björklund-Lehrstuhlprofessor für Innovation und Wachstum am INSEAD in Frankreich. Er wurde 1956 in Paris geboren und promovierte 1987 an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, USA. Seit 2018 ist er Herausgeber des Annual Review of Economics.

Peter Howitt

Peter Howitt ist Lyn Crost Professor Emeritus für Sozialwissenschaften an der Brown University, Rhode Island, USA. Er wurde 1946 in Guelph, Ontario, Kanada, geboren und promovierte 1973 an der Northwestern University, Evanston, Illinois, USA.

Phil Thornton

Phil Thornton ist leitender Berater auf freiberuflicher Basis bei Clarity Economics, einem Beratungs- und Schreibservice, den er nach seiner 15-jährigen Laufbahn als Zeitungsjournalist gründete. Clarity Economics (www.clarityeconomics.com) befasst sich mit allen Geschäfts- und Wirtschaftsbereichen, wie beispielsweise der Makroökonomie, dem Welthandel, den Finanzmärkten, der Fiskalpolitik sowie Steuern und Regulierung. Seine Artikel wurden in einer Reihe von namhaften Publikationen wie The Wall Street Journal, The Independent, Independent on Sunday, The Guardian, The Times, The Daily Telegraph, Financial Director, Emerging Markets, City AM sowie PM-Select veröffentlicht. Zudem schreibt er regelmäßige Wirtschaftskolumnen für Procurement Leaders. Jüngste Projekte beinhalten eine Reportserie für Business in the Community, die die Stellung von ethnischen Minderheitengruppen innerhalb der britischen Belegschaft thematisiert. Hinzu kommen die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Reform des EU-Haushalts für Business for a New Europe sowie eine Auswertung des britischen Finanzsystems für The Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI). 2010 gewann Thornton die Auszeichnung Future Journalist of the Year im Zuge der WorkWorld Media Awards. Drei Jahre zuvor wurde ihm der Titel Print Journalist of the Year verliehen. Bis 2007 war er acht Jahre lang Wirtschaftskorrespondent bei der Londoner Zeitung The Independent.