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Veröffentlicht 27. November 2025 von Hanna Kurlanda-Witek

Nobelpreis für Physiologie/Medizin 2025: Periphere Immuntoleranz

Der Thymus wird oft als die Schule der T-Zellen bezeichnet. Dort lernen sie, unbedenkliche Zellen von Krankheitserregern und Krebszellen zu unterscheiden – Photo/Credit: Nerthuz/iStockphoto

Das Immunsystem ist eines der komplexeren Systeme des menschlichen Körpers. Es umfasst Organe wie die Milz und den Thymus, zahlreiche Zelltypen und über 1.500 Proteine. Was das Immunsystem von anderen Körpersystemen unterscheidet, ist die Notwendigkeit zu entscheiden, was ein Fremdkörper ist und was nicht – mit anderen Worten, was „körpereigen“ und was „fremd“ ist.

Das falsche Ziel im Visier

Seit Jahrzehnten wissen Wissenschaftler/innen, dass dieses empfindliche Gleichgewicht manchmal gestört sein kann und die körpereigenen Zellen angreift, was zu Autoimmunerkrankungen führt. In den 1970er-Jahren zeigten Richard K. Gershon und sein Team, dass Suppressor-T-Zellen Immunreaktionen kontrollieren können und manchmal bestimmte Antigene – etwa Viren oder Tumore – tolerieren.

Durchbrüche nach ruhigeren Zeiten

Trotz der erzielten Fortschritte stagnierte die Forschung auf diesem Gebiet, und bahnbrechende Entwicklungen in den molekularbiologischen Methoden, die weiteres Vorankommen ermöglichen sollten, blieben zunächst aus. 1995 entdeckte Shimon Sakaguchi am Tsukuba Life Science Center in Japan, dass T-Zellen mit dem Aktivierungsmarker CD25+ Mäuse vor Autoimmunerkrankungen schützen, indem sie die Immunantwort herunterregulieren.

T cells attack tumour cells – 3D immunotherapy illustration
T-Zellen beim Attakieren von Krebszellen – Foto/Credit: NanoCosm Vista/iStockphoto

Im Laufe der Zeit wurden Suppressor-T-Zellen als regulatorische T-Zellen (Tregs) bekannt. Einige dieser Zellen entwickeln sich im Thymus, wo die zentrale Immuntoleranz stattfindet. Andere T-Zellen entstehen in sekundären lymphatischen Organen wie den Lymphknoten und der Milz – hier findet die periphere Immuntoleranz statt.

Mehrere Jahre nach Sakaguchis Entdeckung bewiesen Fred Ramsdell und Mary E. Brunkow, beide in der Biotechnologie tätig, dass Scurfy, eine tödliche Autoimmunerkrankung bei Mäusen, durch eine Mutation im Foxp3-Gen verursacht wird. Später fanden sie heraus, dass auch das IPEX-Syndrom, eine genetische Erkrankung des menschlichen Immunsystems, durch diese Mutation verursacht wird. Heute ist bekannt, dass Foxp3 das Hauptregulationsgen ist, das die Entwicklung von Tregs steuert.

„Wir müssen weiterhin an unserer Forschung arbeiten, in der Hoffnung, dass sie in der Klinik Anwendung findet“, sagte Sakaguchi kurz nach der Bekanntgabe seines Nobelpreises. Fred Ramsdell bestätigte diesen Gedanken: „Jetzt kann man diese Entdeckung aus dem Jahr 2000 in ein tatsächliches Medikament umwandeln.“

Dieser Nobelpreis betont, dass preiswürdige Forschung sowohl in der akademischen Welt als auch in Biotechnologieunternehmen gedeiht. „Die Branche bringt Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen, die unglaublich gut in dem sind, was sie tun“, sagte Ramsdell.

„Es ist erstaunlich, wie sehr sich die Wissenschaft verändert hat“, sagte Brunkow und hob die arbeitsintensive Suche nach der genauen Maus-Mutation hervor, die für den Immunfehler verantwortlich ist.

Die Entdeckungen sind Jahrzehnte alt, und die Nobelpreisträger waren völlig überrascht, als sie erfuhren, dass sie in diesem Jahr ausgezeichnet wurden. Sie führten die Forschung „in dem Wissen durch, dass sie wichtig ist, aber ohne genau zu wissen, wie“, sagte Ramsdell. Ein weiteres Beispiel für den Wert der Grundlagenforschung.

Hanna Kurlanda-Witek

Hanna Kurlanda-Witek ist Wissenschaftsautorin und Beraterin zu Umweltthemen in Warschau/Polen. Sie hat einen Doktortitel in Geowissenschaften von der Universität Edinburgh, für den sie viel Zeit im Labor verbrachte. Als Expertin für sowohl Forschung als auch industrielle Anwendung schlägt sie durch die Vereinfachung von Wissenschaftskommunikation eine Brücke zwischen diesen beiden Welten.