Arno Penzias, die kosmische Hintergrundstrahlung und das Deutsche Museum

Ich hatte in Robert Wilson über das Echo des Urknalls kurz erwähnt, dass die Empfangsanlage, die den ersten Nachweis dieses Echos, nämlich der kosmischen Hintergrundstrahlung, geliefert hatte, mittlerweile im Deutschen Museum steht. Und meiner Verwunderung Ausdruck gegeben, wie sich die US-Science Center und Wissenschaftsmuseen (von denen es ja einige gibt!) dieses Ausstellungsstück haben entgehen lassen.

Ich wusste bereits, dass dafür Arno Penzias verantwortlich war, der die kosmische Hintergrundstrahlung gemeinsam mit Wilson entdeckt und dann auch mit ihm den Nobelpreis geteilt hat. Am Freitag, auf der Bootfahrt und danach auf der Insel Mainau standen die Chancen besonders gut für die kurze informelle Befragung von Nobelpreisträgern. Dieses Bild zeigt Penzias, wie er gerade auf dem Oberdeck gegen einen der Young Researchers Schach mit menschlichen Spielfiguren spielt: 

Nach der Bootsfahrt, auf der Mainau, hatte ich dann in der Tat Gelegenheit, kurz mit Penzias zu reden. Seine Antwort auf meine Frage nach dem Verbleib des Empfängers:

“Der Empfänger ist im Deutschen Museum gelandet, weil dort, in München mein Leben begonnen hat. Ich bin 1939 mit dem Kindertransport außer Landes gegangen.”

In seiner Nobelpreis-Autobiografie finden sich die Details: Dass seine Familie vorher bereits für die Deportation nach Polen aufgegriffen worden, aber nach einigen Tagen mit verschiedenen Bahnfahrten wieder nach München zurückgebracht worden war. Dass er sich auf dem Kindertransport, der ihn nach England bracht — da war er gerade sechs Jahre alt — noch um seinen kleinen Bruder kümmern musste, und dass er ihm, als der Zug anfuhr, noch gesagt hatte: “Jetzt sind wir allein”. Dass es den Eltern gelang, nachzukommen — dass der Vater fast ebenso rasch in England gewesen war wie seine beiden Söhne, allerdings keinen Kontakt aufnehmen konnte, da ihn die Engländer nach seiner Ankunft gleich interniert hatten. Dass seine Mutter einen Monat später, nur ein paar Wochen vor Kriegsbeginn, auch noch eine Ausreisegenehmigung erhalten hatte. Dass die Familie dann rund ein halbes Jahr später in die USA weiterreiste.

Weiter mit dem, was mir Penzias erzählte:

“[Seit ich Deutschland verlassen musste,] bin ich viele Male zurückgekehrt. Und genau so, wie Deutschland das richtige Verhältnis zu seiner eigenen Vergangenheit gefunden hat, habe ich das auch getan. Ich finde es sehr gut, dass Deutschland seine Vergangenheit nicht verleugnet, sondern sie aufgeklärt hat und das Wissen darüber mit zukünftigen Generationen teilt. Ich wollte Teil dieser Gemeinschaft sein. Ich erinnere das Deutsche Museum noch aus meiner Kindheit, und das schien mir der beste Ort für [den Empfänger] zu sein. Und da steht er jetzt.”

Empfangsgerät der Holmdel-Antenne im Deutschen Museum, München

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