Wozu braucht man das?

Jeder Wissenschaftler kennt diese Frage. Spricht man mit Freunden oder Bekannten die selbst keine Wissenschaftler sind über seine Forschungsarbeit, dann taucht sie früher oder später zwangsläufig auf: “Wozu braucht man das eigentlich?”
Manchmal ist diese Frage leicht zu beantworten. Ein Mediziner der neue Medikamente entwickelt oder eine Physikerin, die neue elektronische Bauteile für Computer erforscht werden kaum Probleme haben, die Relevanz ihrer Forschung zu erklären. Wer aber in der Grundlagenforschung arbeitet, stößt auf Unverständnis. Grundlagenforschung ist per Definition nicht anwendungsorientiert. Man forscht nicht, weil man ein bestimmtes Gerät bauen oder ein neues Produkt auf den Markt bringen möchte. Man forscht, weil man mehr über die Welt herausfinden und einfach wissen will. Natürlich bildet die Grundlagenforschung das Fundament jeder zukünftigen Anwendung. Aber es ist so gut wie unmöglich vorherzusagen, ob und welche Anwendungen aus ihr resultieren wird. Als Max Planck sich 1900 mit dem höchst abstrakten und rein theoretischen Problem der Strahlung eines schwarzen Körpers beschäftigte und damit die Grundlage der Quantenmechanik schuf, hätte sicherlich niemand damit gerechnet, dass sie Jahrzehnte später die Basis für Produkte wie Computer, Digitalkameras oder DVD-Spieler bilden wird.

Wenn also die Antwort auf die Frage “Warum willst du das erforschen?” nur “Darum!” lautet, dann bedeutet das nicht, dass die Forschung unnütz ist. Trotzdem ist es für viele eine unbefriedigende Antwort. Forschung und vor allem Grundlagenforschung ist wichtig. Anwendungsorientierte Forschung hat oft keine Problem, ausreichend finanzielle Unterstützung zu bekommen, da hier direkt abzusehen ist, auf welche Art und Weise sie am Ende vermarktet werden kann. Grundlagenforschung dagegen ist auf die staatliche Förderung durch Steuergelder angewiesen. Darum ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit, von der die Steuergelder ja stammen, Bescheid weiß, warum Grundlagenforschung wichtig ist. Die Frage “Wozu braucht man das eigentlich?” mag vielleicht nicht immer eine konkrete Antwort haben. Aber jeder Wissenschaftler sollte in der Lage sein, allgemeinverständlich zu erklären, was er macht und warum es wichtig ist, das es gemacht wird.

Leider wird die Öffentlichkeitsarbeit von vielen Forschern vernachlässigt – umso erfreulicher ist daher das Engagement von jungen Wissenschaftler in diesem Bereich. Claire Thomas ist Studentin an der Universität Berkeley in Kalifornien und Teilnehmerin an der Nobelpreisträgertagung in Lindau, wo sie in der Meisterklasse von William Philips einen Vortrag gehalten hat. Und sie hat ein eigenes Blog in dessen Motto sie schreibt:

“We want federal funding for our research. We owe it to the public to explain why. Whether it’s because it blazes trails for technological growth, or because it inspires people, here is where you can explain why we must continue to fund your fundamental research.”

Das tut sie dann auch und hat dazu ihre Kollegen eingeladen. In videos wie diesem hier beantworten sie die Frage “Wozu ist das gut?”:

Das Motto des Nobelpreisträgertreffens in Lindau lautet: “Educate. Inspire. Connect.” Das gilt nicht nur für das Aufeinandertreffen von Nobelpreisträgern und jungen Forschern. Es gilt genauso für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Wissenschaftler müssen auch den Rest der Bevölkerung an ihrer Arbeit Teil haben lassen.

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