#LiNo17 Daily Recap – Thursday, 29 June

Thursday was the last day in Lindau but not the last day of the meeting. Friday is going to take the participants to Mainau Island, so while they are enjoying their last day on the picturesque island, let’s take a look at what happened yesterday. Here are our highlights from Thursday:

 

Video of the day:

All six panelists – Nobel Laureates Sir John E. Walker and Dan Shechtman, Wiltrud Treffenfeldt (Chief Technology Officer of Dow Europe GmbH), May Shana’a (Head of Research & Developmen of Beiersdorf AG) and young scientist Thomas L. Gianetti from ETH Zurich as well as chairwoman Alaina G. Levine – have strong opinions on “Science Careers” and gave excellent advise for #LiNo17 participants.

You are welcome to browse through our mediatheque for more panel discussions, lectures and other informative videos.

 

Picture of the day:

Nobel Laureate Peter Agre’s lecture on “Aquaporin Water Channels” was not only educational, but also made the young scientists laugh. Most definitely one of the best pictures of Thursday.

67th Lindau Nobel Laureate Meeting Chemistry, 25.06.2017 - 30.06.2017, Lindau, Germany, Picture/Credit: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings Audience in Peter Agre's lecture

For even more pictures from the Lindau Nobel Laureate Meetings, past and present, take a look at our Flickr account.

 

Blog of the day:

When Nobel Laureates come to Lindau, photographer Volker Steger presents each with a surprise task. Find out what it is and how the laureates “sketch their science”.

Sketches of Science Slider

Do take a look at more of our inspring blog posts.

 

Tweets of the day:

 

Last but not least, follow us on Twitter @lindaunobel and Instagram @lindaunobel and keep an eye out for #LiNo17

We will keep you updated on the 67th Lindau Nobel Laureate Meeting with our daily recaps. The idea behind it is to bring to you the day’s highlights in a blink of an eye. The daily recaps will feature blog posts, photos and videos from the mediatheque.

 

Wissenschaftliche Zusammenarbeit als Motor für den Frieden

Picture: iStock.com/Rawpixel Ltd

Bild: iStock.com/Rawpixel Ltd

Kann Wissenschaft Brücken zwischen den Nationen der Welt bauen? Das zumindest ist die Hoffnung, die hinter dem Begriff Science Diplomacy steht. Science Diplomacy meint von der Politik abgefragte wissenschaftliche Expertise ebenso wie diplomatische Bemühungen um internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. Aber auch wenn wissenschaftliche Kooperationen erst im zweiten Schritt zur Verbesserung der internationalen Beziehungen führen, ist das ein Erfolg im Sinne der Science Diplomacy.

Eine leidenschaftliche Befürworterin solch großer Kollaborationen ist Professorin Felicitas Pauss, Teilchenphysikerin an der ETH Zürich und vormals Head of International Relations am CERN. 2010 sagte sie im Interview:„Wir haben Mitarbeiter aus der ganzen Welt und ich kann meine Begeisterung dafür ausleben, dass die wissenschaftliche Sprache, die wissenschaftliche Zusammenarbeit über politische Grenzen hinausgeht.“

Bei einer Großforschungsanlage wie dem CERN, an dem allein beim CMS-Projekt rund 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 200 Instituten aus 40 Ländern beteiligt sind, kann man tatsächlich von einem multinationalen Austausch in zwei Richtungen sprechen, denn neben dem Personal vor Ort und den festen Mitgliedsstaaten gibt es sogenannte International Cooperation Agreements, und dadurch profitieren laut Prof. Pauss mehr als 10.000 Wissenschaftler/innen aus 70 Ländern, weil sie die wissenschaftlichen Anlagen für ihre Forschung nutzen können.

Dass die Gründung einer solchen Großforschungsanlage unzählige politische Verhandlungen und Bemühungen diplomatischer Art bedarf, versteht sich von selbst. „Von so vielen Nationen eine verbindliche langfristige finanzielle Zusage zu erhalten, ist eine große Herausforderung. Vom ersten Konzept bis zur Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers LHC im Jahr 2008 dauerte es mehr als 20 Jahre“, so Prof. Pauss. Die Gründungsversammlung liegt sogar über 60 Jahre zurück: Sie fand 1954 statt.

Live-Schaltung zum CERN mit Generaldirektorin Fabiola Gianotti und Kollegen auf dem diesjährigen LNLM – es diskutierten auf dem Podium Steven Chu, David Gross, Takaaki Kajita und Carlo Rubbia zum Thema „Glimpses Beyond the Standard Model“, moderiert von Felicitas Pauss.

Nach dem zweiten Weltkrieg mussten die ehemals verfeindeten Nationen die abgebrochenen wissenschaftlichen Beziehungen wieder aufnehmen – und Deutschland seine komplette Isolierung von der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft überwinden. In den USA erreichte John F. Kennedy 1961 einen entsprechenden Kooperationsvertrag mit Japan.

In Deutschland hatten die beiden Lindauer Ärzte Dr. Franz Karl Hein und Prof. Gustav Parade 1951 die Idee, Nobelpreisträger aus den wissenschaftlichen Disziplinen Chemie, Physik und Medizin zusammen zu bringen und fanden in Graf Lennart Bernadotte einen idealen Förderer und Gastgeber. Über die Jahre wurde die Idee weiter ausgebaut: Die Einladung an die Nachwuchswissenschaftler/innen aus aller Welt, sich um eine Teilnahme zu bewerben, kam hinzu und trug wesentlich dazu bei den Wahlspruch der Tagungen „Educate, Inspire, Connect“ mit Leben zu erfüllen. Der Impetus der Meetings wurde letztes Jahr besonders deutlich spürbar, als während der Tagung eine Mehrheit der anwesenden Nobelpreisträger/innen die „Mainau Declaration 2015 on Climate Change“ unterzeichnete.

Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Nobelpreisträger Kailash Satyarthi, hier beim Unterzeichnen der “Mainau Declaration on Climate Change”, veröffentlichte jüngst einen Artikel, der sich gegen Nuklearwaffen ausspricht. Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Ebenfalls Anfang der fünfziger Jahre wurde der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn wieder gegründet. Der DAAD ist mittlerweile eine der größten Förderorganisationen für den internationalen Austausch von Akademiker/innen weltweit. Er führt auch das sehr beliebte Erasmus-Programm der Europäischen Union durch. Diese akademische Völkerverständigung machte Deutschland wieder weltoffener und leistungsstärker und dasselbe gilt für seine Partnerorganisationen in der Welt.

In den USA ist Science Diplomacy ein gesetzter Begriff und wird als Aushängeschild einer modernen Politik genutzt. Unter Barack Obamas Führung erlangte der Begriff einige Popularität. Obamas Bemühungen zu Zeiten des aufkommenden arabischen Frühlings, die amerikanische Scientific Community und Wissenschaftler/innen aus überwiegend muslimischen Ländern über wissenschaftliche und technische Innovationen näher zusammen zu bringen, sind ein Beispiel dafür. Es schmerzt im Angesicht der heutigen politischen Situation auf solch hoffnungsvolle Erwartungen zurückzublicken. Auch Nobelpreisträger Peter Agre hatte in einem Artikel die Bemühungen der US-Regierung geschildert, aber im gleichen Atemzug gemahnt, dass die Anstrengungen noch weiter erhöht werden müssten.

Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Agres Worte zu Science Diplomacy, wie er sie versteht, sind aber zeitlos:

„Science is a wide-ranging effort that naturally crosses borders, and so scientist-to-scientist collaboration can promote goodwill at the grass roots.“

Und es gibt jenseits des aktuellen politischen Geschehens ein unschlagbares Argument für Science Diplomacy – die komplexen globalen Probleme und Konflikte können nur mit einem globalen Ansatz gelöst werden, und für den ist die Wissenschaft prädestiniert. Kein medizinisches Forschungsteam hat als Ziel nur die Kranken im eigenen Land zu heilen, und was heißt schon ‚eigenes Land’, wenn man doch vielleicht in einem Team weitab des Herkunftslandes seinen Platz gefunden hat?

Positiv besetzt und immer für entsprechende Schlagzeilen gut ist die internationale Raumstation ISS, ein gemeinsames Projekt der US-amerikanischen NASA, der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, der europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Raumfahrtagenturen Kanadas und Japans. Dass es sich trotzdem um dünnes diplomatisches Eis handelt, auf dem da agiert wird, zeigten die durch den Konflikt in der Ostukraine angeheizten Diskussionen über ein Ende des Betriebs der ISS, die aber vorerst beigelegt werden konnten. Außerdem war es nicht möglich China am Aufbau und Betrieb zu beteiligen – aufgrund eines Vetos der USA.
Ein Projekt, dessen bauliche Materialisierung aufgrund der politischen Verstrickungen jahrelang nicht in Gang kam, ist das Fusions-Großforschungsprojekt ITER in Frankreich. Erst ein interner Bericht, der nach außen gelangte, markierte den Wendepunkt. Hier sind die Bauherren die EU, Russland, die USA, China, Japan, Indien und Südkorea. Und natürlich waren es nationale Interessen im Sinne von Auftragsvergaben, die das Unternehmen an den Rande des Scheiterns brachten.

Die schwierige Balance zwischen nationalen Interessen und der Investition in eine friedliche Staatengemeinschaft zu halten, ist die große Herausforderung für alle Beteiligten. Angesichts der besorgniserregenden nationalistischen Strömungen und ebensolcher Regierungspolitik einiger Länder, stehen viele Errungenschaften, die wir schon als selbstverständlich empfanden, wieder auf dem Spiel.

A Driving Force Towards Peace: Scientific Cooperation

Picture: iStock.com/Rawpixel Ltd

Picture: iStock.com/Rawpixel Ltd

Can science build bridges between the nations of the world? This is, at least, the hope behind the idea of ‘science diplomacy’. Science diplomacy refers to both the scientific expertise required by politics and the diplomatic efforts to promote international scientific cooperation. Even if the improvements in international relations achieved through science diplomacy only arise at a secondary stage, this is considered a success on the part of science diplomacy.

Professor Felicitas Pauss, a particle physicist at the ETH Zurich and former Head of International Relations at CERN, is a passionate advocate of large-scale collaborative scientific ventures like CERN. In an interview held in 2010 she said: “We have colleagues from all over the world and this enables me to live out my passion for the fact that scientific language and scientific cooperation go beyond political borders.”

When it comes to a large research facility like CERN, whose CMS project alone involves around 3,000 scientists from 200 institutions in 40 countries, it is entirely accurate to speak of two-way multinational exchange. In addition to the staff working on-site and the permanent member states, the collaboration also involves International Cooperation Agreements and, according to Professor Pauss, these benefit over 10,000 scientists from 70 countries as they can avail of the scientific infrastructure for their research.

The establishment of such a large research facility clearly requires countless political negotiations and diplomatic efforts. “Obtaining a long-term and binding financial commitment from so many countries is a huge challenge. It took over 20 years to progress from the emergence of the initial concept to the start-up of the LHC particle accelerator in 2008,” says Prof Pauss. The ratification of the convention that officially established CERN took place over 60 years ago in 1954.

Live link to CERN with General Director Fabiola Gianotti and colleagues at this year’s LNLM – Steven Chu, David Gross, Takaaki Kajita and Carlo Rubbia participated in the panel discussion of Glimpses Beyond the Standard Model”, chaired by Felicitas Pauss.

After the Second World War, the former enemy states had to re-establish scientific relations which had been broken off due to the conflict – and Germany had to overcome its complete isolation from the global scientific community.

In the USA, John F. Kennedy established a corresponding cooperation agreement with Japan in 1961. In Germany, two doctors based in Lindau, Dr. Franz Karl Hein and Prof. Gustav Parade, had the idea of bringing Nobel laureates in the scientific disciplines of chemistry, physics and medicine together in 1951, and found an ideal sponsor and host for their project in Count Lennart Bernadotte. The idea was developed further over the years: the invitation to young scientists from all over the world to apply to participate in the Lindau Meetings was added to the mix and made a major contribution to fulfilling the motto of the event to “Educate, Inspire, Connect”. The impetus generated by the meetings was in evidence last year, in particular, when the majority of the Nobel laureates in attendance signed the Mainau Declaration 2015 on Climate Change.

Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Nobel Laureate Kailash Satyarthi, here signing the Mainau Declaration on Climate Change, recently published an articel against nuclear weapons. Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

The German Academic Exchange Service (Deutscher Akademischer Austauschdienst, DAAD) was also re-established in the early 1950s in Bonn. The DAAD is now one of the biggest organisations for the promotion of the international exchange of academics in the world. It also implements the European Union’s very popular Erasmus Programme. This international understanding at academic level broadened Germany’s horizons and improved its scientific performance. The same applies to its partner organisations throughout the world.

Science diplomacy is an established concept in the USA and is used as the calling card for a modern policy approach. The concept became particularly popular under Barack Obama’s leadership. Obama’s efforts to bring the American scientific community and scientists from predominantly Muslim countries closer through scientific and technical innovations during the incipient Arab Spring are an example of this. Given the current political situation, it is painful to look back on the hopes and expectations that prevailed at the time. Nobel laureate Peter Agre gave an account of the efforts made by the US government in an article, while also warning that the efforts would have to be further intensified.

Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Photo: Ch. Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Irrespective of the particular context in which it was expressed, Agre’s description of science diplomacy, as he understands it, is timeless:

“Science is a wide-ranging effort that naturally crosses borders, and so scientist-to-scientist collaboration can promote goodwill at the grass roots.”

And the argument for science diplomacy, irrespective of current political events, is irrefutable – complex global problems and conflicts can only be resolved through a global approach, and science is predestined to play a role in this process. No medical research team aims to heal only the sick within its own country. And what does ‘own country’ mean, anyway, when the scientists involved may well have found a place on a team located very far away from their countries of origin?

The International Space Station ISS , a joint project between the American space organisation NASA, the Russian space agency Roskosmos, the European Space Agency ESA, and the Canadian and Japanese space agencies is considered a positive venture and is always a good source of corresponding headlines. The fact that it nonetheless rests on thin diplomatic ice is demonstrated by the discussion about ending the operation of the ISS, which was fuelled by the conflict in eastern Ukraine but has been successfully defused for the time being. Moreover, it was not possible for China to participate in the development and operation of the station due to the USA’s veto.

The large fusion experiment ITER in France is an example of a project whose physical materialization was hindered for years due to political machinations. The turning point was achieved thanks to a leaked internal report. The clients involved in the construction of this project included the EU, Russia, the USA, China, Japan, India and South Korea. And, of course, it was national interests in relation to the awarding of contracts for the construction work that brought the venture to the brink of collapse.

The difficulty posed by balancing national interests and the investment in a peaceful community of states is the great challenge facing all participants. In view of the worrying nationalist movements and government policy in some countries today, many countries and many achievements which we already took for granted, are now under threat again.