Lektionen in Wissenschaft – Tipps zur erfolgreichen Karriere

“Wenn ich wissen möchte, an was die Laureaten forschen, dann lese ich ihre Papers. Mich interessiert viel mehr, wie sie geschafft haben, dort anzukommen wo sie sind.” hörte ich einen Nachwuchswissenschaftler zu seinem Gegenüber sagen, als wir auf Bierbänken zufällig nebeneinander im Essenszelt saßen und im Geschnetzelten stocherten.

Tatsächlich ist es so, dass hier in Lindau nicht die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert werden, sondern die Laureaten in ihren Vorträgen entweder historisch aufbereiten, welche Ergebnisse zum Nobelpreis führten oder im Stil eines Übersichtsvortrags das aktuell bearbeitete Fachgebiet vorstellen. Manche Nobelpreisträger nutzen ihre Prominenz auch, um in ihren Talks auf gesellschaftliche Probleme hinzuweisen, und einige schienen den Nachwuchsforscher aus dem Essenszelt erhört zu haben. Ihre Vorträge enthielten eine Folie mit “Lessons for young scientists”, also was die Laureaten an die jüngere Generation weitergeben, wie man ein guter, glücklicher, erfolgreicher, oder überhaupt ein Wissenschaftler wird.

Gesondert wurde dieser Punkt auch in der letzten Diskussionsrunde am Donnerstag angesprochen, in der Harry Kroto, Ei Ichi Negishi, Tom Steitz und Edmond Fischer direkt zur Frage Stellung bezogen, wie man ein guter Wissenschaftler werde. Hier eingebunden die abfotografierten Folien aus den Vorträgen von Avram Hershko (rechts oben) und Roger Tsien (links unten, Mausklick macht sie größer und lesbar) und ein paar Zitate aus der letzten Podiumsdiskussion. Die Kernaussagen liegt irgendwo zwischen der Binsenweisheit, dass man hartnäckig an seinem Thema arbeiten sollte, aber auch merken soll, wann es Zeit ist dasselbe zu wechseln, der Erkenntnis, dass es früher einfacher war Forschungsgelder zu bekommen, und dass ein gute Mentoren und Kooperationen wichtig seien.

Kroto über Wissenschaft und Boxen:
“Science is like going in a ring with Muhammed Ali. It knocks you out Monday to Thursday in the first round, Friday in the second round. You might get lucky and get to the 15th round and get a nobel prize.”

Tom Steiz mit Erfolgstips:
“I always wanted to work together with people which were better than me. It is vital having conversations with colleagues. […] If you never make a mistake you never make an important discovery. But make sure to have a bread and butter project at the side.”

Negishi über die Wahrscheinlichkeit einen Nobepreis zu gewinnen:
“I calculated it, there is a 1:10^7 probability to win nobel prize. That’s like winning the lottery. But if you see the 1:10^7 probability like seven steps with a probability of 1:10, you might already have increased the odds, so only four more steps are required to climb the ladder. It took me half a century for this.”

Fischer über Forschungsfinanzierung:
“I never had difficulties and competition for grants. Those were different times back then and there is no way that Mendel would get an NIH grant these days.” (Fischer ist 91 Jahre alt).

Kroto über Wissenschaft as Wettkampf
“I do not like competition. I always did what I was interested in and didn’t care what others thought. […] I think the mental state that hard work is fun is difficult to achieve.”

Fischer über Fehler und Fanatismus
“Intrinsic to sciene is the element of doubt. Science teaches you that you might always be wrong. If eveybody agreed that they might be wrong it would be the end of fanaticism, especially religious one.”

Dies ist der vorerst letzte Artikel von mir im Blog vom Nobelpreisträgertreffen. Ich hatte eine schöne und intensive Zeit auf diesem hervorragend organisierten Meeting. Ich bedanke mich bei Beatrice Lugger und Christian Rapp, die es mir ermöglichten zum zweiten Mal nach 2009 nach Lindau zu reisen, bei Lars Fischer und meinen anderen Co-Bloggern, die mit mir am laufenden Band Artikel in fünf Sprachen hier produzierten, und bei allen Lesern, die das Nobelpreisträgerblog hin und wieder aufgerufen haben.

Hier noch der Link zu meinem regulären Blog bei den ScienceBlogs, dort schreibe ich nicht nur über Nobelpreisträger.

7 comments on “Lektionen in Wissenschaft – Tipps zur erfolgreichen Karriere

  • 1. Der Titel des Artikels lässt tief blicken und weist auf einen elementaren Denkfehler hin: “Karriere” hat rein gar nichts mit “Genie/guter Forschung/etc.” zu tun. Vielleicht schließen sich beide sogar aus.

    2. Die Wichtigkeit von Nobelpreisen wird stark überschätzt. Siehe dazu auch Roger Tsiens Folie, vorletzter Punkt.

    3. Der Hype, der um Nobelpreise gemacht wird, funktioniert hervorragend. Siehe Veranstaltungen wie die in Lindau. Vermarktung par excellence – und die sogenannten “Journalisten” fallen wunderbar drauf rein und kommen sich gar unerhört wichtig vor.

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  • Biologe:
    1. Auch Nobelpreisträger haben eine Karriere, darüber haben sie erzählt und keinen Vortrag mit dem Titel “How to become a nobel laurate” gehalten.
    2. Von wem wird die Wichtigkeit überschätzt? Jeder weiß doch, dass neben Talent und Disziplin auch eine gute Portion Glück dazu gehört zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Nichtsdestotrotz sind die Erkenntnisse für die die Forscher geehrt werden nicht selten bahnbrechend und haben Einfluss weit über ein kleines, abgegrenztes Forschungsgebiet hinaus.
    3. Von einem “Hype” um den Nobelpreis kann nun wirklich nicht die Rede sein. Ohne das Meeting in Lindau wären jeweils die aktuellen Preisträger in Deutschland für eine Woche in den Medien und dann vergessen. Das wird der Wichtigkeit der erforschten Ergebnisse nicht gerecht.
    Vielleicht kannst du deine Journalistenkritik präzisieren. Ich jedenfalls bin Wissenschaftler, der auch ein Blog schreibt. Deshalb bin ich zu dem Meeting eingeladen worden. Ich berichte von den Vorträgen, weil es mir Spaß macht und ich kann dir versichern, ich fühle mich dadurch nicht mehr oder weniger wichtig. Es ist ein Ausgleich zu meinem Alltagsjob.

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  • “Von einem “Hype” um den Nobelpreis kann nun wirklich nicht die Rede sein.”

    – Tatsächlich? Solltest Du DAS ernst meinen (ich kann’s nicht glauben), erübrigt sich jede weitere Diskussion.

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  • Biologe, wir müssen ja auch nicht diskutieren. Vielleicht kannst du mir trotzdem erklären, wo du einen Nobelpreishype wahrnimmst.

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  • Wo ich einen Nobelpreishype wahrnehme?!?

    – Na, jedes Jahr, so geschätzte 2 Wochen vor und 1 Woche nach der entsprechenden Bekanntgabe der Gewinner – und dann nochmal bei der eigentlichen Preisverleihung.

    Wogegen – nur um ein paar Beispiele zu nennen – die Lasker-Awards, die Japan-Preise oder die Bekanntgabe der Leibniz-Preisträger (immerhin ist der L.-Preis der international höchstdotierte wissenschaftliche Förderpreis!) keinen müden Hund hinter dem Ofen hervorlockt. Kennt die überhaupt jemand da draußen? Frag doch mal Deine Oma, ob sie weiß, was der Nobelpreis ist. Und dann fragst Du sie nach dem Leibniz-Preis. Dann weißt Du vielleicht, was ich meine.

    Kein Hype um den Nobelpreis? Naja, klar, eigentlich wird ja um die derzeit laufende Mädels-Kicker-WM ja auch überhaupt gar kein Hype nicht gemacht… stimmt schon. Das Leben ist relativ.

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