Kleine Stilkritik – die Lindau-Tasche

Der Goodie-Bag, der die Unterlagen zur Konferenz, das Jahrbuch und andere Kleinigkeiten enthält, ist beim Nobelpreisträgertreffen nicht etwa einfache Stofftasche oder so. Die Teilnehmer bekommen eine geräumige, stabile Umhängetasche aus fester Plane, die tatsächlich taugt, um eine Woche lang alles notwendige mit sich herumzutragen – was die Mehrzahl der Teilnehmer auch tut: In den fünf Tagen des Lindauer Meetings prägen die Jungwissenschaftler mit ihren Taschen das Stadtbild von Lindau.

Um den Wiedererkennungswert zusätzlich zu steigern, schreibt das Elitenetzwerk Bayern, das die Taschen sponsert, jedes Jahr einen Designwettbewerb aus, dessen Gewinner das gute Stück dann gestalten darf. Es hat sich eingebürgert, dass ich hier im Blog das Design der Tasche bespreche. Nicht weil ich besonders dazu qualifiziert wäre, sondern weil ich es kann.

Zuerst fällt natürlich eine wesentliche Änderung auf: In den letzten drei Jahren war die Tasche immer bayrisch-blau gehalten. Davon ist man jetzt abgewichen, was ich prinzipiell erst einmal gut finde. Außerdem zeigt sich hier natürlich der Vorteil dieses Fabrikats: Eine Tasche aus Gewebe könnte man nie im Leben schneeweiß machen, schon weil sie binnen Minuten dreckig würde und man dunkle Schmutzspuren nur mit großer Mühe wieder abkriegt. Doch die Lindau-Tasche ist nicht nur strapazierfähig, sondern auch komplett abwaschbar.

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Das diesjährige Taschendesign in Großaufnahme. Bild: Beatrice Lugger

Mit dem Material haben die Entwickler jedenfalls einen guten Griff getan, allerdings mit einem kleinen Haken, der von den Kommentatoren meiner Stilkritik zuvor schon bemängelt wurde: Die Tasche ist nicht aus Recyclingmaterial. Das war früher schon deswegen ein viel kritisierter Punkt, weil das Thema der Konferenz 2011 ausgerechnet Nachhaltigkeit war – da fiel eine nicht-nachhaltige Tasche schon ein bisschen unschön auf…

Der grundsätzliche Punkt gilt natürlich immer noch: Eine Tasche aus Recyclingmaterialien wäre bei einer so profilierten Konferenz schon schön. Andererseits ist das gute Stück anders als bei vielen anderen Konferenzen absolut kein Wegwerfartikel, insofern belasten nächste Woche wenigstens nicht 500 von den Dingern die Müllkippen.

Aber zurück zum Design – ich habe vor zwei Wochen schon ein Foto der Tasche gesehen und war enttäuscht. Der schwarze Schriftzug und das geschwungene Ornament erinnern ein bisschen an die Gestaltungselemente einer Traueranzeige. Glücklicherweise habe ich dann heute festgestellt, dass sich die Aufmachung in echt wesentlich besser macht. Die schwarzen Seitenteile sehen wirklich gut aus, und die in den Text eingestreuten geometrischen Formen – zweifellos sehr symbolisch und bedeutungsvoll – gefallen mir auch. Das handgezeichnete Schnörkelelement wirkt ein bisschen krakelig, aber es mildert zusammen mit den gemischten Schriftarten im Text die Strenge der geometrischen Symbole und der monochromen Gestaltung.

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Die Lindau-Tasche in freier Wildbahn. Bild: Beatrice Lugger

Insgesamt gefällt mir diese Tasche nun doch ganz gut. Vor allem ist das diesjährige Design etwas gewagter als das der letzten beiden Jahre. Ich kann mir gut vorstellen dass der Monochrom-Look das Publikum polarisieren wird. Da muss ich mal rumfragen, wie die Stimmungslage ist.

An den Retro-Look vom 59. Treffen kommt auch die diesjährige Tasche nicht heran, aber für einen zweiten Platz in meiner persönlichen Rangliste reicht das locker. Und wie findet Ihr das gute Stück?

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4 comments on “Kleine Stilkritik – die Lindau-Tasche

  • Wenn man bedenckt das Forschung eine bunte Sache ist finde ich diese Tasche zu eintönig. Etwas mehr Farbe wäre schön gewesen (mehr als weiß-blau) um sie mehr zu einem Hingugger zu machen. Ich denke mal die Tasche wird funktional sein, aber mir wäre ein Rucksack lieber.

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  • Da ich die Tasche nur auf dem (kleinen) Foto sehe, mag es mir wie dem Autor der kleinen Taschen-Design-Kritik – Lars Fischer – gehen.
    Ich finde die Aufmachung der Schrift und der geschwungenen Ornamente etwas grußkartenartig, wenn ich auch auf Anhieb nicht an Trauerkarten denke.
    Glücklicherweise war ich bisher in meinem Leben selten in Verlegenheit, mir solche anzuschauen oder welche besorgen zu müssen.

    Ich finde die Tasche auf den ersten Blick etwas…wie soll ich sagen…: girly, ohne dass ich nun genau ausmachen könnte, warum bei mir der Eindruck entsteht, dass Mädchen (so sie die Auswahl hätten) evt. eher nach der Tasche griffen, als Jungs oder Männer oder eben erwachsene Frauen.

    Ich persönlich würde mir Schriftzug und Gestaltung (auch dem Anlass gemäß) eher minimalistisch schlicht und sachlich, also ohne jegliche Schnörkel ausdenken. Weiß…vielleicht ja, hat was, aber auf keinen Fall solch geschwungenen (Grußkarten-) Elemente und auch die Schrift nicht so verspielt.

    Et voilà, da ham’s den kleinen Kommentar zur “kleinen Stilkritik”.

    Sophia

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  • … So ein bisschen “Clan der Weis(s)en” im Fantasygenre, das transportiert die Ornamentik Tasche (nur nach dem kleinen Bild) für mich, indem ich die “girly” Assoziation aufnehme, die Sophia ansprach.

    Im Gruppenbild wird daraus brauchbare CI mit einem Hauch “Ritter der Tafelrunde”, finde ich. Nicht unpassend für die Auserwählten, die solche Tasche als Zeichen tragen, scheint mir.

    Hat was, die Tasche: Ich nenns mal eine schöne Spannung zwischen formaler Askese und grafischem Spielraum.
    Und vor allem hat sie mir verraten, wo Lars Fischer steckt, während er so bald nicht wieder heimkommt… Gute Zeit dir wünscht die Twitterfüxin

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