Ein Tag in Korea

Schon länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, Asien und besonders Korea einen Besuch abzustatten. Die dortigen rasanten Entwicklungen, besonders in der Technologie, finde ich sehr faszinierend. Am Montag hatte ich Gelegenheit zumindest einen ersten Eindruck von diesem Land zu erhalten – während der Lindauer Nobelpreisträgertagung, deren diesjähriger internationaler Tag von Süd-Korea gestiftet wurde. Dies schlug sich am Montag in einem Frühstück, Mittagessen und Abendessen im Stile Koreas nieder.

Globale Herausforderungen: Energie, Umwelt und Wasser

Früh um 7 Uhr beim Science Breakfast traf ich auf einen gut gefülltes “Forum am See”. Beim Frühstück machte sich der Einfluss vom Gastland noch nicht bemerkbar, aber dann umso mehr im anschließenden Panel. Eingeleitet wurde das Panel mit dem Titel “How Does Surface Science Contribute to Solve Global Energy and Environmental Issues?” von Prof. Jeong Young Park, KAIST mit einer Präsentation zu zwei wichtigen Themen unserer Zeit: Energie und Umwelt. Anschaulich wurde das in einer Graphik, welche Wasser als Thema einbezog und seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff als mögliche zentrale Elemente im Energiekreislauf darstellte.

Gerhard Ertl auf dem Science Breakfast

Surface science (Oberflächenchemie) befindet sich dabei an der Schnittstelle von Chemie und Physik und der anwesende Gerhard Ertl (Nobelpreis Chemie 2007) ist einer der Pioniere für Einkristalloberflächen. Besonders Ertl machte den Bedarf für Energiespeicherung mit den Worten “It is not energy conversion. The sun is enough. The problem is energy storage.” deutlich. Bisherige Technologien wie Brennstoffzellen und Batterien seien den aktuellen Herausforderungen noch nicht gewachsen. Auch in der Oberflächenchemie gibt es große Unterschiede zwischen Laborbedingungen und den Anforderungen der Industrie.

Kyungtae Kang, ein Postdoc am KAIST, stellte seine PhD Arbeit vor und schuf damit einen Übergang zu den Fragen der Anwesenden. Hier ergriffen die jungen Wissenschaftler die Gelegenheit, um die Panelredner bezüglich ihrer momentanen Forschung zu befragen. Dies macht den besonderen Spirt aus, den ich schon jetzt in Lindau erfahren konnte. Der direkte Kontakt und die große Freiheit seine Problemstellungen mit anderen Wissenschaftlern, vom Bachelor bis zum Nobelpreisträger, zu besprechen, lässt Lindau zu einem Epizentrum des Dialogs werden.

Beim Mittagessen wurden die Teilnehmer dann mit koreanischer Küche verwöhnt. Dies setzte sich am Abend, auf Einladung Koreas, fort. Zunächst wurden die Teilnehmer von Gräfin Bettina Bernadotte (Präsidentin des Kuratoriums), Jae-Shin Kim (Botschafter, Botschaft der Republik Korea in Berlin), und Hwang-Sik Kim (Ehemaliger Premierminister Korea) willkommen geheißen. Anschließend wurde die Menge von der Moderatorin auf die Rettung der Welt eingeschworen und im Anschluss stellte Dr. YoungJoo Ko “blaue Chemie” als Übertrumpfung der “grünen Chemie”  dar.

Gayageum Musik auf dem internationalen Dinner

Gesang (u.a. “die koreanische Version von Romeo und Julia mit gutem Ausgang”) und Musik mit dem traditionellen Gayageum führten in in die koreanische Kultur ein. Dann wurde zum Tanz aufgerufen und bis spät gemeinsam getanzt, darunter junge Wissenschaftler, Gäste, Presseleute und Nobelpreisträger.

Nicht nur einmal wurde Montag auf Korea als schönes Land hingewiesen, in dem die Anwesenden auch gerne als Forscher willkommen sein. Das “Korea Basic Science Institute” solle die “neue Max-Planck-Gesellschaft Koreas” werden. Man kann Korea ein bisschen Eigenwerbung nicht verdenken, besonders bei solch einer Dichte von anwesenden schlauen Köpfen.

Gerhard Ertls diesjähriger Vortrag kann schon in der Mediatheque angeschaut werden.

 

Simon Engelke

About Simon Engelke

Simon Engelke is a natural scientist who studied at Maastricht University and UC Berkeley. He just finished a project supported by Google and will start a PhD at the University of Cambridge in fall. Next to his research interests, he has a passion for communication and attends the Lindau Nobel Laureate Meeting for the second time.

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3 comments on “Ein Tag in Korea

  • Lars Fischer says:

    Blaue Chemie war zumindest bis vor ein paar Jahren Naturstoffe mariner Organismen. Wäre in diesem Fall allerdings ein klarer Kategorienfehler…

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  • Simon Engelke says:

    Sehr geehrter Leser.
    Vielen Dank für diese berechtigte Frage.
    Auf Anfrage beschreibt Dr. YoungJoo Ko “blaue Chemie” mit den Worten: “Blue Chemistry is an eco-oriented approach for the restoration of nature which we believe as future chemistry that ensures the survival of human beings.”
    Fragen Sie ihn gerne direkt bei weiteren Fragen (z. B. welche Ansätze).
    Mit freundlichen Grüßen,
    Simon Engelke

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