Hans Rosling: Die Welt in Zahlen

Zur Eröffnung der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung wird unter anderem auch der manchmal kontroverse Hans Rosling sprechen. Tobias Maier über die Hintergründe des Meisters der Statistiken.

Wer Hans Rosling nicht kennt, für den ist das Internet noch Neuland. Rosling, Professor für internationale Gesundheit am Karolinska-Institut in Stockholm, ist vor allem für seine animierten Vorträge bekannt. Bestimmt 10 Millionen Menschen haben schon seine TED-Talks gesehen, in denen er, einem Sportreporter gleich, die weltweite Bevölkerungsentwicklung der letzten hundert Jahre im Bezug zum pro-Kopf Einkommen und der Lebenserwartung moderiert.

Rosling kann nicht nur farbige, wandernde Bälle gut erklären, er hat auch eine Nachricht: Die Welt sieht häufig anders aus, als wir glauben sie zu kennen. Wird die Weltbevölkerung immer weiter wachsen? Nein. Rosling illustriert mit Klorollen, dass bei 10 Milliarden Schluss ist. Was ist die durchschnittliche Lebenserwartung in der Welt? Inzwischen 71 Jahre.

Seine illustrativen Beispiele dienen nicht nur der Verbesserung der Allgemeinbildung der Millionen Menschen, die seine Talks sehen. Rosling erklärt anhand von harten Zahlen den Unterschied zwischen gut meinen und gut machen. Es geht nicht nur darum, den Ärmsten beim Überleben zu helfen, sondern auch darum, wie man möglichst effektiv den meisten Menschen helfen kann, ein besseres Leben zu führen.

Nur wie kann eine effektive Hilfe für Länder aussehen, deren Lebensstandard zwar gestiegen ist, aber dennoch weit von dem des Westens entfernt ist? Rosling erörterte dies in einem von mir mit dem Professor für internationale Medizin vorab geführten Interview am Beispiel Medizin.

Die Menschen in Ländern niederer und mittlerer Einkommen sterben nicht mehr an Hunger oder Infektionskrankheiten. Sie sterben an den gleichen Krankheiten wie wir: Herz-Kreislauf Erkrankungen und Krebs” sagte Rosling, und erläuterte, dass jenen häufig bevölkerungsreichen Ländern oft sowohl die medizinischen Möglichkeiten wie auch die Infrastruktur im Gesundheitswesen fehlen würden, um diesen Krankheiten adäquat zu begegnen.

Rosling plädiert für neue Konzepte bei der Hilfe ärmerer Länder im Gesundheitswesen, die einerseits Innovation belohnen, und andererseits so vielen Patienten wie möglich den Zugang zu wirksamen Behandlungsmethoden sicherstellen können. Er sprach sich für die günstigere Abgabe von Medikamenten an ärmere Länder aus, hob aber zur gleichen Zeit hervor, dass eine staatliche Reglementierung der Medikamentenpreise und eine Abschaffung des Patentschutzes der Innovation abträglich wäre.

Um die anstehenden Herausforderungen im Gesundheitswesen erfolgreich zu meistern, führe auf lange Sicht jedoch kein Weg an der Förderung von Innovation und Wissenschaft in den betreffenden Ländern selbst vorbei, so Rosling. Der Erfolg hänge von finanziellen Faktoren und klugen politischen Entscheidungen ab, hauptsächlich jedoch vom Vorhandensein einer wissenschafts- und innovationsfreudigen Kultur.

Veranstaltungen wie die Lindauer Nobelpreisträgertagungen würden als Brücken zum Austausch und zur Annäherung zwischen Wissenschaftlern unterschiedlichster Länder dienen und so direkt zum kulturellen Wandel beitragen.

Rosling spricht am Sonntag Nachmittag auf der Eröffnungsveranstaltung der 64. Tagung der Nobelpreisträger in Lindau. Sein Vortrag ist der Auftakt zu einer Woche voller inspirierender Vorträge (Programm als pdf) von über 30 Nobelpreisträgern vor fast 600 Nachwuchswissenschaftlern aus aller Welt.

Ich bin bei der Veranstaltung dabei und werde hier im Blog als Teil eines internationalen Teams die besten Geschichten und interessantesten Vorträge live weiter geben. Ich freue mich übrigens immer über Kommentare!

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