Hartmut Michel

 

Prof. Dr. Hartmut Michel

 

Mitglied des Kuratoriums

 

 

Die deutschen Biochemiker Hartmut Michel, Robert Huber und Johann Deisenhofer (mittlerweile in den USA tätig), erhielten 1988 den Chemienobelpreis für die Erforschung des Reaktionszentrums der Photosynthese. Damals forschten alle drei Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München.

Pflanzen nutzen die Energie von Licht, um organische Stoffe herzustellen und generieren so das grundlegendste Nahrungsmittel in der Nahrungskette der Erde: die Vegetation.  Außerdem produzieren Pflanzen Sauerstoff, der es Lebewesen ermöglicht, organische Stoffe zu verbrennen. Laut der Pressemitteilung der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften ist die Photosynthese „die wichtigste chemische Reaktion auf der Erde“. Die Umwandlung von Energie während der Photosynthese sowie die aerobe Atmung basieren auf dem Transport von Elektronen durch eine Reihe von Proteinen, die in Membranen sitzen. Diese Proteine lassen sich nur schwer kristallisieren, doch genau das gelang Michel im Jahr 1981. Dies ermöglichte es ihm, zusammen mit Deisenhofer und Huber die Proteinstrukturen zu untersuchen.

Michel wurde 1948 in Ludwigsburg geboren. Er war ein aktives Kind, das gern Zeit draußen verbrachte, und ein guter Schüler. Er war Mitglied einer Leihbücherei und las wöchentlich mehrere Lehrbücher. Nach dem Wehrdienst begann er 1969 sein Studium der Biochemie an der Universität Tübingen, das er 1974 erfolgreich abschloss. Er arbeitete unter Dieter Oesterhelt für die Max-Planck-Gesellschaft in Tübingen und an der Universität Würzburg, wo er 1977 promovierte. Während er Möglichkeiten zur lichtgesteuerten Aufnahme von Aminosäuren untersuchte, fand Michel heraus, dass eine Bacteriorhodopsin-Probe in der Gefriertruhe ein festes, glasähnliches Aggregat formte. Nach dieser Entdeckung war er überzeugt, dass Membranproteine kristallisierbar sein müssen – ein Unterfangen, das zu dieser Zeit als unmöglich betrachtet wurde. Mit Oesterhelts Hilfe produzierte er bald einen zweidimensionalen Membrankristall von Bacteriorhodopsin und den ersten echten dreidimensionalen Kristall im April 1979. Die beiden Wissenschaftler begannen am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München zu forschen, wo Michel mit Hans Deisenhofer, einem Mitglied von Robert Hubers Abteilung, zusammenarbeitete. Deisenhofer war ein Experte in der Analyse von Proteinkristrallstrukturen mit Hilfe von Röntgenstrahlen.

Er verbrachte außerdem vier Monate beim Medical Research Council in Cambridge, England, wo er Röntgenstrukturanalysen ausführte und die Kristallisationsmethode verbesserte. Nach seiner Rückkehr nach München kristallisierte er mehrere andere Membranproteine, vor allem photosynthetische, und feierte seine ersten Erfolge mit dem Reaktionszentrum der Photosynthese des Purpurbakteriums Rhodopseudomonas viridis im Jahr 1981. Im folgenden Jahr schloss sich Johann (Hans) Deisenhofer dem Projekt an und die beiden Kollegen wurden schnell Freunde. Im Jahr 1987 wurde Michel Abteilungsleiter und Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main. Er erhielt verschiedene Preise und Auszeichnungen, viele davon gemeinsam mit Deisenhofer. Derzeit arbeitet Michel an Membranproteinen, genauer gesagt an Proteinen der aeroben Atmung und des transmembranen Transports. Michel ist mit Elena Olkhova verheiratet. Die beiden haben eine Tochter, Margarita Caroline Michel.

Michel ist seit 2011 Mitglied des Kuratoriums für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau.