Das Wichtigste? Der Spaß an der Wissenschaft

Wie? Schon vorbei? Ja, leider. Die Zeit verging wie im Fluge. Es war eine anstrengende aber tolle Woche mit inspirierenden Vorträgen und interessanten Gesprächen. Der Blick über den Tellerrand, den dieses interdisziplinäre Treffen mir ermöglichte, stimmt mich zuversichtlich für den wissenschaftlichen Fortschritt, den wir in den nächsten zehn Jahren erwarten dürfen.

 

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Es herrschte eine angenehm offene Atmosphäre. Ich spürte, hier trafen sich über 700 Menschen, die Spaß an der Wissenschaft hatten und gerne darüber sprachen – immer und überall: Im Bus zu meinem Hotel traf ich Maxwell Barffour aus Ghana und sprach mit ihm über die Labordiagnostik von Malaria und HIV in afrikanischen Kleinkindern. Auf der Uferwiese des Bodensees erklärte mir Evans Kataka aus Kenia die wachsende Bedeutung der Bioinformatik in der Krebsforschung. Im Café zeigte mir Viputeshwar Sitaraman aus Indien seine tolle Infografik zur 4Pi-Mikroskopie von Chemienobelpreisträger Stefan Hell. Beim Tretbootfahren wurde ich von Arlette Vyry Wouatsa Nangue aus Kamerun über die Arbeitsbedingungen in den deutschen Laboren befragt. Da kam ich dann leider schnell auf unbezahlte Überstunden, befristete Verträge und Drittmittel zu sprechen.

 

Foto: A. Schröder/Lindau Nobel Laureate Meetings

Foto: A. Schröder/Lindau Nobel Laureate Meetings

 

Ich hatte nette Kollegen im Lindauer-Blog-Team, die ich leider viel zu selten sah. Es gab viel zu schreiben und jeder hatte seine persönliche Agenda, da blieb zu wenig Zeit für den Austausch. Ich bin froh Wissenschaftsblogger wie Florian Freistetter (Blog: Astrodicticum Simplex) und Jalees Rehman (Blog: The Next Regeneration) jetzt persönlich kennengelernt zu haben. Lustig war vor allem, dass Jalees und ich im gleichen Hotel wohnten und uns dort nie sahen, obwohl es ziemlich klein war. Klein aber gemütlich ist Lindau und manchmal fühlte ich mich in das Auenland versetzt, das J.R.R. Tolkien im Herrn der Ringe beschreibt. Die Lindauer sind höflich, hilfsbereit und freundlich. Jenseits von Wissenschaft und Blogposts war mein tägliches Highlight die Busfahrt zum Hotel: Mitten durch die Fußgängerzone und die engen Gassen der Altstadt, die keine Auswegmöglichkeiten boten. Das hatte was, vor allem wenn ein Radfahrer vor uns sich alle Zeit der Welt nahm, weil er den Bus nicht bemerkte. Um 22 Uhr fuhr der letzte Bus zu meinem Hotel, meine Idee “Round about Midnight” (Thelonius Monk) noch in einem Lindauer Jazzcafé zu sitzen, gab ich damit auf.

 

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Es gab auch stille nachdenkliche Momente in Lindau: Ich werde nicht vergessen wie Susumu Tonegawa am Ende seiner Vorlesung an seinen, im Februar dieses Jahres verstorbenen, PostDoc Xu Liu aus Shanghai erinnerte. Ich denke wir sollten viel häufiger zu Beginn einer Vorlesung Gedenkminuten für verstorbene Kollegen halten, vor allem wenn die Vorlesung über ein Thema ist an dem der Verstorbene gearbeitet hat.

 

65th Lindau Nobel Laureate Meeting,

 

Das Wichtigste was ich von Lindau mitgenommen habe war Oliver Smithies‘ Rat an die Nachwuchswissenschaftler in seinem Vortrag “Where Do Ideas Come from?”:

It’s quite unimportant what you do. Isn’t it? It doesn’t matter what you do to get a PhD. All that matters is that you learn to do good science. But there is a corollary. You have to enjoy it. If you don’t enjoy it, then go to your advisor and say: „I’m not enjoying what I’m doing.” I’m serious, I really mean this. And then if your advisor won’t or can’t give you another problem, change your advisor.

 

Joe Dramiga

About Joe Dramiga

Joe Dramiga, a biology postdoc, originates from Uganda and lives in Cologne, Germany. Actually he is a neurogeneticist, however, during the last 3 years he has worked as a quality manager in a clinical virology lab in Africa. Currently he blogs about science and writes a book.

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